SAMANTHA GALDAMES - GELERNTE NETZELEKTRIKERIN

Jetzt Stromnetzverwalterin

Das Netz einer Stadt steuern

«Ich wollte einen Beruf, in dem ich selbstständig arbeiten kann», erzählt Samantha Galdames, die seit einigen Monaten das gesamte Stromnetz der Stadt Lausanne verwaltet. Nach zehnjähriger Tätigkeit als Netzelektrikerin hat die junge Frau die Funktion als Stromnetzplanerin bei den industriellen Betrieben der Stadt übernommen. Sie allein steuert die Software namens «Lynx», mit der sie das Netzschema anhand der Hinweise ihrer ehemaligen Berufskollegen anpasst. «Für Netzelektrikerinnen ist das die Bibel. Das Schema muss mit der Realität perfekt übereinstimmen», erklärt sie. Berührungsängste mit der Software kennt sie nicht. Sie gibt die gewünschten Veränderungen ein: Löschen von defekten Schaltschränken, Einfügen von Klemmleisten oder Erweiterung des Netzes bei Neubauten.

Samantha Galdames kann sich die Arbeit selbst einteilen und organisiert selbstständig die Zählerablesungen in der Stadt. Aufgrund ihrer Erfahrung und ihren Fachkenntnissen hat sie die erforderlichen Qualifikationen für diese Aufgabe mitgebracht, die sie nun Schritt für Schritt besser kennenlernt.

«Jeweils am Dienstag und am Donnerstag fahre ich in die Fabrik Pierre-de-Plan, um mich mit Hilfe eines Simulators für meine neue Funktion fit zu machen. So kann ich üben und Tests mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten durchführen», erklärt die junge Frau.

JOVAN PERIC - GELERNTER NETZELEKTRIKER

Jetzt Gruppenleiter

Anschluss unter Spannung

«Ich arbeite bei der EWZ, welche in der Stadt Zürich die Strom- und Glasfaserleitungen installiert. Durch jahrelange Erfahrung bin ich dort Gruppenleiter geworden. Das geht bei uns nicht so schnell wie an anderen Orten. Denn wer mehr Verantwortung übernehmen will, muss die Netze sehr gut kennen. Das braucht in einer Stadt wie Zürich seine Zeit. Ich führe einen Mitarbeitenden und einen Lernenden. Zusätzlich ist noch ein Polier in der Gruppe.

Wir schliessen in erster Linie neue Gebäude ans Stromnetz an. Manchmal installieren wir auch Bauprovisorien und demontieren Stromanschlüsse, die nicht mehr gebraucht werden. Trassen erstellen, Rohre verlegen, Muffen installieren: Das sind die wichtigsten Tätigkeiten, welche die Gruppe unter meiner Leitung ausführt. Ich habe einen abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Job, der mich stolz macht.

Zu meinen Aufgaben gehört auch die Planung der Arbeiten. Etwa eine Woche, bevor wir ein Gebäude anschliessen, besichtige ich die Baustelle und leite die nötigen Vorbereitungen ein. Beispielsweise muss ich oft ein Unternehmen damit beauftragen, an den richtigen Stellen die Strasse aufzureissen. In einer grösseren Stadt kann nicht einfach der Strom im Gebiet abgestellt werden, wenn wir einen Anschluss installieren – zu viele Leute wären davon betroffen. Darum arbeiten wir ständig unter Spannung. Wir haben in einer speziellen Ausbildung gelernt, uns vor dieser Gefahr zu schützen.»

DAVID MONNARD - GELERNTER NETZELEKTRIKER

Berufsbildner

Seine Leidenschaft weitergeben

Ob Ausbildung der Lernenden, Weiterbildungskurse für gelernte Netzelektriker oder Sensibilisierung von Bauingenieurunternehmen, Feuerwehr oder Forstbetrieben für die Gefahren von Elektrizität: David Monnard gibt seine Berufserfahrung leidenschaftlich gern weiter. «Sich dem Publikum anzupassen, ist eine Voraussetzung für meine Arbeit und einer der spannendsten Aspekte meiner Arbeit», erklärt der Berufsbildner. Insgesamt unterrichtet er fast zweihundert Personen an zwei Tagen pro Woche an einem externen Standort. Die Lektionen konzipiert und plant er selbst. An seinem Arbeitsplatz, der Administration von Romande Energie in Morges (VD), erstellt er den jährlichen Ausbildungsplan für die Lernenden und koordiniert die Weiterbildungskurse für Erwachsene in den Bereichen Technik und Sicherheit. Auf dem Programm der überbetrieblichen Kurse für Lernende stehen Anschlüsse von unterirdischen Kabeln, Anwendung von Messgeräten oder der Bau von Freileitungsmasten mit Mittel- und Niederspannung. Für erfahrene Berufsleute gibt es Auffrischungskurse, Sensibilisierung für Unfallrisiken und Repetition der Sicherheitsregeln auf Baustellen. David Monnard hat sich nach seiner Lehre als Netzelektriker zum Netzfachmann weitergebildet. Die Chance, in der Weiterbildung zu arbeiten, wollte er sich nicht entgehen lassen. Er hat darum vor Kurzem die eidgenössische Berufsprüfung zum Berufsbildner abgelegt.

CYRIL TREUTHARDT - NETZELEKTRIKER

Im 3. Lehrjahr

Von ganz unten nach ganz oben

Ob tief im Strassengraben oder hoch auf Strommästen: Cyril Treuthardt kümmert sich um die Installation von Strom- und Kommunikationsleitungen. Und zwar so, dass sein Team möglichst selten ausrücken muss, um Störungen zu beheben.

Am Rand der Quartierstrasse ist ein Schacht vor einer Verteilkabine geöffnet. Darin steht ein Netzelektriker und führt in gleichmässigem Tempo ein Kabel in ein Rohr ein. Auf der Strasse steht Cyril Treuhardt und zieht das Kabel von der Bobine – so nennt man die grossen Kabelrollen, die aussehen wie gigantische Fadenspulen. «Heute verlegen wir ein eher dünnes Glasfaserkabel. Wenn wir armdicke Stromkabel verlegen, brauchen wir Bobinen mit noch grösserem Radius. Diese sind tonnenschwer, und es braucht sehr viel Kraft, um die Kabel abzurollen», erklärt Cyril Treuhardt.

Reinigung mit Kalibrierbürste

Die Kabel sind zum Teil kilometerlang. Es würde sehr lange dauern, sie ohne Hilfsmittel in den dünnen Rohren zu verlegen. Darum steht am anderen Ende des Rohrs eine grosse motorisierte Kabelrolle mit der so genannten Einzugsrute. Das ist ein Zugseil, das mit dem Kabel verbunden ist. Damit kann das Kabel schnell und gleichmässig durch das Rohr gezogen werden. Manchmal benutzt Cyril Treuthardt die Zugmaschinen auch, um Rohre vor dem Kabelverlegen zu reinigen. «Dazu ziehe ich eine Kalibrierbürste aus Kunststoff durch das Rohr. Steine und grober Schmutz bleiben daran hängen. Würde ich das nicht machen, könnte das Kabel beim Einziehen steckenbleiben oder beschädigt werden», erklärt der Netzelektriker.

Die Technischen Betriebe Weinfelden, wo Cyril Treuhardt arbeitet, verlegen nicht nur Kabel, sondern unterhalten auch etwa 50 Trafostationen und viele Verteilkabinen, wo der Strom auf die einzelnen Haushalte verteilt wird. «Hier arbeite ich, wenn ein neues Haus ans Netz angeschlossen wird – oder wenn es eine Störung gibt. Ist das der Fall, kann ich mit speziellen Messgeräten feststellen, wo im Netz das Problem liegt.» Bei dieser Arbeit ist das Einhalten der Sicherheitsvorschriften äusserst wichtig. «Wir Lernenden arbeiten zwar nie unter Spannung. Trotzdem dürfen wir keine Unaufmerksamkeiten zulassen.» So bringt der Netzelektriker an jeder Sicherungsleiste, an der er arbeitet, ein grosses Schild mit der Aufschrift «Nicht schalten» an.

Auf alternden Holzmasten

Ab und zu steigt Cyril Treuthardt auch auf Freileitungsmasten. «Meist geht es dabei um das Beheben von Störungen», erklärt er. Heute aber entfernt er zusammen mit seinem Team eine stillgelegte Niederspannungs-Freileitung, die in den Boden verlegt worden ist. Zuerst sichern die Netzelektriker den leicht morschen Holzmasten mit zwei Metallstangen, deren Spitzen sie ins Holz rammen. Dann erklettert Cyrill Treuhardt den Mast mit speziellen Steigeisen: Sie haben Haken an den Fussinnenseiten und krallenartige Spitzen, die ebenfalls mit Haken versehen sind. Die Freileitung ist natürlich ausgeschaltet. Trotzdem montiert er an jedem der vier Kupferdrähte noch eine Erdung. Dann entfernt er zuerst diese Drähte aus den Halterungen, fixiert sie aber trotzdem provisorisch, damit die Leitungen den Mast beim Umfallen auf halber Distanz auffangen würden. Dann werden die Halterungen abgenommen. Wenn der letzte Mast abgebaut ist, hängen die Drähte bis zum Boden durch.

Solche Einsätze liebt Cyril Treuhardt: «Obwohl die Sicherheitsvorschriften streng sind, hat mein Beruf noch immer etwas Abenteuerliches an sich.» Und er ergänzt ernst: «Wir müssen hochpräzise arbeiten, damit die Leitungen funktionieren. Und sie müssen funktionieren: «Ein Strom- und Kommunikationsnetz mit Mängeln kann grossen Schaden anrichten – in vieler Hinsicht.»

KATRIN BÄTSCHER - NETZELEKTRIKERIN

 

Eine Stunde Zeit für einen Hausanschluss

Katrin Bätscher ist zusammen mit sechs Kollegen für das Stromnetz im Mittelprättigau zuständig. Sie ist eine leidenschaftliche Netzelektrikerin. Nicht einmal ein Sturz von einem Strommast während der Lehre konnte sie von ihrem Weg abbringen.

Von dem neuen Haus am Hang steht erst der Rohbau. Und doch ist für Katrin Bätscher und ihren Teamkollegen schon die Stromleitung freigelegt, die den Ortsteil mit Energie versorgt. Der Strom ist abgestellt, das Kabel liegt auf dem Grund. Vom Haus her ist ein weiteres, etwas dünneres Kabel zum Graben gezogen, seine Enden sind abisoliert. Katrin Bätscher nimmt eine T-Gussmuffe mit drei Öffnungen: Zwei für das ein- und austretende Hauptkabel, eine für das Kabel Richtung Haus. Das Hauptkabel zwängt die Netzelektrikerin in eine Kompaktklemme aus Metall. Diese durchstösst die Isolierungen und stellt so den Kontakt her. Nun schliesst Katrin Bätscher die abisolierten Enden der Phasen des Hauskabels an die Kompaktklemme an: Die Voraussetzungen für den Stromfluss sind jetzt vorhanden.

Zeitdruck und höchste Konzentration

Die Netzelektrikerin und ihr Kollege arbeiten schnell: «Nach einer Stunde müssen wir den Strom wieder einschalten – das haben wir den Leuten so mitgeteilt. Wir stehen unter hohem Zeitdruck und dürfen uns gleichzeitig auf keinen Fall einen Fehler erlauben», erklärt Katrin Bätscher. Mit einer Woertz-Klemme installiert sie die Erdungs- und Neutralleiterphase, kontrolliert, ob wirklich alle Metallteile der Muffe Kontakt dazu haben. Dann verschliesst sie die Muffe möglichst dicht und füllt zum Schluss durch ein verbliebenes Loch eine Paste in die Muffe, zum Schutz und zur Isolation der Kabel. Nun kann die Netzelektrikerin an der Trafostation den Strom wieder anschalten. Nach einer Testmessung am Hausausschluss sieht sie: Spannung und Kurzschlusstrom stimmen. Katrin Bätschers Werk hier ist getan.

Kindheitstraum verwirklicht

«Vor meinem Elternhaus ist eine Wiese mit einem Strommast drauf. Als Kindergärtnerin habe ich mal einen Netzelektriker gesehen, der da hinaufgeklettert ist. Ich weiss noch, wie ich mir da dachte: Das will ich später auch einmal machen. Während der Berufswahl war für mich klar, dass ich einen handwerklichen und abwechslungsreichen Beruf lernen möchte. Dann ist mir diese Kindheitserinnerung wieder eingefallen, ich habe mich über den Beruf Netzelektrikerin informiert und gemerkt: Das passt genau zu mir.» Katrin Bätscher liess sich von diesem Weg nicht mehr abbringen – auch wenn es schwierig wurde. «Während der Lehre stürzte ich von einem Strommast. Ich verletzte mich am Becken und konnte monatelang nicht arbeiten. Als ich zurückkehrte, musste ich zuerst meine Angst beim Freileitungsbau überwinden. Aber mein Wille war stark, und ich habe das Ding durchgezogen», sagt sie nicht ohne Stolz.

Am liebsten auf Strommasten

Katrin Bätscher und ihr Kollege kommen in die Werkstatt zurück, entladen ihr Material und heben gleich eine schwere Kabelbobine für den nächsten Auftrag auf den Anhänger. Bevor es losgeht, wartet aber noch eine defekte Strassenleuchte, welche die Netzelektrikerin in der Werkstatt neu verkabelt. Danach füllt sie noch ein Rapportformular aus: Das ist jedes Mal Pflicht, wenn der Strom während eines Einsatzes abgestellt wird. «Solche Dinge gehören halt auch zu meinem Job. Aber am liebsten verlege ich Kabel, arbeite an Trafostationen – und klettere für den Freileitungsbau auf Strommasten. An dieser Faszination hat auch mein Unfall nichts geändert», erklärt Katrin Bätscher.